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Pressemitteilung

vom 21.10.2013

Zwölf Filme für Filmpreis „Leipziger Ring“ nominiert

Stiftung Friedliche Revolution würdigt bei DOK Leipzig erneut künstlerischen Dokumentarfilm

Leipzig, 21. Oktober 2013. Zwölf Filme aus 13 Ländern nehmen in diesem Jahr am Wettbewerb um den begehrten Filmpreis „Leipziger Ring“ teil. Zur Preisverleihung am 1. November lädt die Stiftung Friedliche Revolution erneut in die Leipziger Nikolaikirche ein, wo auch der prämierte Film gezeigt wird. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und wird seit 2010 alljährlich in Leipzig im Rahmen des Internationalen Dokumentar- und Animationsfilmfestivals vergeben.

Die meisten der zwölf nominierten Filme stammen aus Europa, einer aus Israel, einer aus Ägypten und einer ist eine italienisch-US-amerikanische Koproduktion. Darin schildern Luca Bellino und Silvia Luzi den Kampf italienischer Arbeiter für ihren Betrieb. Die schwedisch-norwegische Produktion von Nahin Persson Sarvestani stellt Frauen vor, die nach dem Sturz des Schahs in iranischen Gefängnissen gefoltert wurden und nun erstmals ihr Schweigen brechen. „Die Reise zum sichersten Ort der Erde“ von Edgar Hagen stammt aus der Schweiz und befasst sich mit der Suche nach einem sicheren Atommüll- Endlager. Als „vergnügliche Lektion in Demokratie“ ist der Beitrag aus der Ukraine angekündigt. Darin schildert Dmytro Tyazhlov den Kampf einer Bürgerin um die Anbindung eines kleinen Dorfes an den öffentlichen Verkehr.

Aus Tschechien stammt der Film von Helena Trestikova über einen erfolgreichen Roma-Musiker, der in der eigenen Community und am ethnischen Stigma scheitert. Ein Aktivistencamp auf dem Londoner Parliament Square ist das Thema von „Grasp The Nettle“, mit dem der englische Filmemacher Dean Pucket „Occupy“ aus der Insiderperspektive zeigt. Der israelische Beitrag „HaMaabada“ von Yotam Feldman beschreibt den Palästina-Konflikt als „Experimentierfeld der israelischen Rüstungsindustrie“. Der slowakische Beitrag „Kauza Cervanova“ von Robert Kirchhoff befasst sich mit einem spektakulären Mordfall und stößt dabei auf einen „Komplex von Macht und Manipulation, Politik und Perfidität“. Als „Insiderbericht eines Investmentbankers“ gilt die deutsch-österreichische Koproduktion „Master of the Universe“ von Marc Bauder.

Der deutsche Streifen „Art War“ zeigt anhand von Graffitis in Kairo, wie Kunst zum Medium des Aufstands wird. „Crop“ heißt der ägyptische Film von Johanna Domke und Marouan Omara, der sich mit den Medien vor und nach der Revolution befasst. Die libyschen Rebellen sind schließlich Thema der norwegischen Produktion „Dagbok fra revolusjonen“ von Nizam Najjar.

Die Auswahl des prämierten Films erfolgt durch eine unabhängige Jury im Rahmen des 56. Internationalen Leipziger Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm vom 28. Oktober bis 3. November. Die Preisverleihung ist am 1. November (19.00 Uhr) in der Leipziger Nikolaikirche vorgesehen. Dazu werden neben Professor Dr. Rainer Vor und Pfarrer em. Christian Führer vom Stiftungsvorstand auch Festivaldirektor Claas Danielsen sowie Oberbürgermeister Burkhard Jung erwartet. Der Preisübergabe schließt sich wieder die Vorführung des prämierten Filmes an.

Mit dem Preis möchte die Stiftung einen künstlerischen Dokumentarfilm würdigen, der bürgerschaftliches Engagement für Demokratie und Menschenrechte beispielhaft aufzeigt oder der unter großem persönlichem Einsatz und Mut des Regisseurs gegen Widerstände und Einschränkungen der Presse- und Meinungsfreiheit entstanden ist. Mit der Auszeichnung ist ein Preisgeld von 5.000 Euro sowie die Statuette „Leipziger Ring“ verbunden, die sowohl an die Großdemonstrationen auf dem Leipziger Altstadtring 1989 als auch an die brennenden Kerzen erinnert, die zahlreiche Demonstranten als Zeichen ihrer Gewaltlosigkeit in Händen hielten.

 

Nominierungen für den „Leipziger Ring“ 2013

Art War. Marco Wilms | Deutschland 2013 | 85 min.
Kunst ist Waffe! Graffitis an den Wänden von Kairo als Medium des Aufstands, ägyptische Underground-Künstler als Chronisten der Ereignisse. Furioser Trip durch Farben und Rhythmen.

Crop. Johanna Domke / Marouan Omara | Ägypten 2013 | 47 min.
Medienproduktion in Ägypten vor und nach der Revolution: Innenansicht von Machtstrukturen in einer ausgeklügelten Bild-Ton-Komposition, ein Blick auf das Woher und Wohin eines Apparats.

Dagbok fra revolusjonen. Nizam Najjar | Norwegen 2012 | 79 min.
Ein Jahr unter Rebellen in Libyen: Kampfhandlungen, provisorisches Lagerleben, ein charismatischer Patriarch. Rarer Einblick in Strukturen und die Menschen dahinter.

Dell'arte della guerra. Luca Bellino / Silvia Luzi | Italien / USA 2012 | 85 min.
Der lange Kampf italienischer Arbeiter für ihren Betrieb: Besetzung, Streik und zermürbende Bürgerkriegsmanöver. Komplexe Untersuchung zwischen heißer Agitation und kalter Analyse.

Grasp The Nettle. Dean Puckett | Großbritannien 2013 | 89 min.
Ein Aktivistencamp in London zwischen politischem Kampf, mühsamer Basisdemokratie, zweifelhaften Verbündeten und Polizeigewalt. Occupy aus Insiderperspektive.

HaMaabada. Yotam Feldman | Israel 2013 | 58 min.
Der Palästina-Konflikt als Experimentierfeld der israelischen Rüstungsindustrie. Eine Unter-suchung, die führenden Köpfen erschreckend nahekommt und tief in die Logik dahinter eindringt.

Kauza Cervanová. Robert Kirchhoff | Slowakei 2013 | 100 min.
Ein spektakulärer Mordfall und ungelöstes Rätsel der slowakischen Geschichte. Kühle Rekonstruktion einer Landkarte der Ereignisse, ein Komplex von Macht und Manipulation, Politik und Perfidität.

Master of the Universe. Marc Bauder | Deutschland / Österreich 2013 | 88 min.
Insiderbericht eines Investmentbankers vor der Kulisse einer sakralen Architektur von Macht und Geld. Seltener und beängstigender Einblick in eine Parallelwelt hinter verspiegelten Fassaden.

Min stulna revolution. Nahid Persson Sarvestani | Schweden / Norwegen 2013 | 6 min.
Frauen, die nach dem Sturz des Schahs in iranischen Gefängnissen gefoltert wurden, treffen sich erstmals wieder und brechen ihr Schweigen. Befreiung durch die Kraft der Kunst.

Die Reise zum sichersten Ort der Erde. Edgar Hagen | Schweiz 2013 | 100 min.
Einmal um die ganze Welt – auf der Suche nach einer sicheren Endlagerstätte für Atommüll. Wissenschaftler, Politiker, Lobbyisten und ihre Gegner in einem Panoptikum des Wahnsinns.

U kutku. Dmytro Tyazhlov | Ukraine 2012 | 25 min.
Das ukrainische Dörfchen Panasivka ist abgehängt vom öffentlichen Verkehr. Eine beherzte Bürgerin nimmt den Kampf mit den Behörden auf… Vergnügliche Lektion in Demokratie.

Vojta Lavička: Nahoru a dolů. Helena Třeštíková | Tschechische Republik 2013 | 88 min. Langzeitbeobachtung eines tschechischen Roma-Musikers, der mit seiner Band in die Charts gelangt, aber in der eigenen Community und am ethnischen Stigma immer wieder scheitert.

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