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Friedensgebet in der Leipziger Nikolaikirche zum Thema „Flüchtlinge“

Das Thema „Flüchtlinge“ stand am 11. Mai 2015 im Mittelpunkt des wöchentlichen Friedensgebets in der Leipziger Nikolaikirche, das Mitarbeiter der Stiftung Friedliche Revolution vorbereitet und gestaltet hatten. In seiner Begrüßung verwies der Vorsitzende der Stiftung, Prof. Dr. Rainer Vor, darauf, dass auch Deutschland wie viele andere Länder in Europa bei der Abwehr von Flüchtlingen auf Abschreckung setze, obwohl unser Land mit seinen Rüstungsexporten sowie seiner Wirtschafts- und Finanzpolitik mit dafür verantwortlich sei, dass viele Menschen ihre Heimat verlassen.

Zudem begegneten denen, die einen Fluchtweg nach Deutschland gefunden haben, häufig Ablehnung, Hass und Gewalt. „Was ist eigentlich los in unserem Land? Warum fällt es uns so schwer, Mitgefühl zu zeigen? Würden wir nicht auch unser Land verlassen, wenn uns Verfolgung, Tod ect. droht?“, fügte er hinzu.

Die Berliner Pfarrerin Ruth Misselwitz, die auch dem Stiftungskuratorium angehört, erinnerte in ihrer Predigt daran, dass die Aufnahme von Flüchtlingen und Fremden – die Gastfreundschaft – in der jüdischen und in der christlichen Religion ein hohes Gut war und ist. Gott dulde es nicht, wenn die Starken das Recht der Schwachen beugen, „denn vor Gott sind alle Menschen gleich“. Das Gebot, Fremde gastfreundlich aufzunehmen, stehe seit 2.500 Jahren in der Bibel und doch sei es unzählige Male gebrochen worden.

Wenn heute Hunderttausende von Menschen vor den Grenzen Europas stehen und Zuflucht suchen, dann haben die christlichen Kirchen die Pflicht, sich erinnern zu lassen, was in der Bibel steht. Sie hätten zwar keine politischen Lösungen für all die Probleme, aber die Pflicht, auf die Not dieser Menschen aufmerksam zu machen und da zu helfen, wo es ihnen möglich ist. Dazu gehöre auch, eine Willkommenskultur zu entwickeln, die die Angst vor den Fremden überwindet und Eingliederungshilfen organisiert, erklärte Pfarrerin Misselwitz.

Zuvor hatten Rainer Vor und Michael Kölsch vom Stiftungsvorstand in einer knappen Daten- und Faktenübersicht auf die Situation der Flüchtlinge aufmerksam gemacht, die versuchten, vor dem sicheren Tod nach Europa zu fliehen. Weltweit seien derzeit etwa 52 Millionen Menschen auf der Flucht, viele von ihnen aus Afghanistan, Syrien, Somalia, Kongo Myanmar und Irak. Die größten Aufnahmeländer seien Pakistan, Iran, Libanon, Jordanien und die Türkei gewesen. Sie hätten 2013 insgesamt fast fünf Millionen Flüchtlinge aufgenommen. In Europa seien 2014 dagegen gut eine halbe Million Asylanträge gestellt worden.

Den Wortlaut der Predigt finden sie hier, die Übersicht über Daten und Fakten hier.